Frauen mit rheumatoider Arthritis (RA) brauchten bisher deutlich länger, um schwanger zu werden, als gesunde Frauen. Eine im Mai 2026 in The Lancet Rheumatology veröffentlichte niederländische Studie aus Rotterdam zeigt nun: Ein speziell auf Kinderwunsch zugeschnittenes Behandlungskonzept senkt die mediane Zeit bis zur Schwangerschaft von 251 auf 91 Tage – nahe am Wert der Allgemeinbevölkerung.
Die Forschungsgruppe um die Erasmus-Universität Rotterdam verglich Frauen mit rheumatoider Arthritis, die in einer spezialisierten Kinderwunsch-Sprechstunde betreut wurden, mit historischen Vergleichsdaten. Im Zentrum stand die strukturierte Anpassung der antirheumatischen Therapie auf schwangerschaftskompatible Wirkstoffe – frühzeitig, bevor die Familienplanung begann.
Das Ergebnis: Die mediane Zeit bis zur Empfängnis sank von 251 auf 91 Tage. Damit liegt sie nahezu gleichauf mit der Allgemeinbevölkerung, in der etwa 50 % der Frauen innerhalb von 90 Tagen und 70 % innerhalb von 180 Tagen schwanger werden.
Als „herabgesetzte Fruchtbarkeit" gilt international, wenn eine Schwangerschaft trotz regelmäßigem ungeschützten Geschlechtsverkehr nicht innerhalb eines Jahres eintritt. Vor der Intervention betraf dies 42 % der RA-Patientinnen.
Die Autoren schließen daraus, dass strukturierte Vorab-Beratung und kontrollierte Krankheitsaktivität die wichtigsten Stellschrauben sind, um die natürliche Fruchtbarkeit von RA-Patientinnen weitgehend wiederherzustellen.
Rheumatoide Arthritis ist eine systemische Autoimmunerkrankung, die nicht nur Gelenke betrifft. Chronische Entzündungsprozesse, erhöhte Zytokinspiegel und hormonelle Verschiebungen können den Zyklus stören und die Eizellreifung beeinflussen. Hinzu kommen Medikamente, die in der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden dürfen – etwa Methotrexat oder Leflunomid.
Viele Frauen pausieren ihre Therapie deshalb selbstständig oder zu spät, was Krankheitsschübe auslösen kann. Aktive Krankheitsaktivität wiederum verlängert nachweislich die Zeit bis zur Schwangerschaft und erhöht das Risiko für Komplikationen wie Frühgeburten oder ein niedriges Geburtsgewicht.
Auch in Deutschland und der DACH-Region gibt es zunehmend rheumatologische Schwerpunktsprechstunden für Schwangerschaft und Kinderwunsch – etwa an Universitätskliniken und in größeren Praxen. Frauen mit rheumatoider Arthritis, Spondyloarthritis oder Lupus profitieren laut Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) von einer Beratung mindestens drei bis sechs Monate vor dem geplanten Konzeptionsversuch.
Wichtig: Die antirheumatische Therapie sollte niemals eigenständig pausiert werden. Eine gut eingestellte, möglichst inaktive Erkrankung ist die beste Voraussetzung für eine schnelle Empfängnis und eine komplikationsarme Schwangerschaft.
Quelle: Studie der Erasmus-Universität Rotterdam, veröffentlicht in The Lancet Rheumatology(2026; DOI: 10.1016/S2665-9913(26)00001-9). Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Kinderwunsch und chronischer Erkrankung empfiehlt sich frühzeitig eine individuelle rheumatologische Sprechstunde.